Kritiken und Berichte
Projekte 2011/2012
Dienstag, 15. Mai 2012
Goslarsche Zeitung
Kräftiges Bravo für Kantoreikonzert
Bewegendgs Musikerlebnis in Goslar
Von Carsten Jelinski
Das Weihnachtsoratorium oder Verdis Requiem gehören zum Standardprogramm aller Kantoreien in der Republik. Doch ein großes Programm französischer Komponisten im Konzert anzubieten — und dies gleich zweimal -, ist einerseits ein Wagnis und andererseits eine musikalische Großtat, die den führenden Kirchenmusikerstellen der Republik in Nichts nachsteht. Ein kräftiges „Bravo" für das überaus gelungene Chor-, Orgel- und Orchesterkonzert der Goslarer Kantorei in der Marktkirche.
Egal, ob Jörg Straube in Hannover, Gert Peter Münden in Braunschweig, gleich, ob Neandergemeinde in Düsseldorf oder Hamburger Michel - besser hätte es dort auch nicht laufen können. Propsteikantor
Gerald de Vries hatte die Kantorei vom Programm überzeugt, Franziska de Vries rief einen Kinderchor fürs Projekt ins Leben, Kantor Hofmann bereitete sich bestens auf seinen Orgelpart am neu
gestalteten Instrument der Marktkirche vor und das herrliche "Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen" zeigte gemeinsam mit Tenor Jörn Lindemann einmal mehr seine hervorragenden
Qualitäten.
Gefülltes Kirchenschiff
Beide Konzerte konnten sich am Sonntag über mangelnden kumszuspruch nicht beklagen, um 16 Uhr zeigte sich das Kirchenschiff ebensogut gefüllt wie um 19 Uhr. Schon das erste Werk, Cäsar Francks „Psalm
150", zeigte die machtvollen Möglichkeiten von Kantorei, Orchester und Orgel auf herrliche romantische Klangwelten. Wenn dem ein oder anderen Besucher, der seinen Platz im hinteren Schiff der Kirche
eingenommen hatte, das neu gestaltete Instrument zu kraftvoll erschien, so verwoben sich in der Kirchenmitte Orgel, Chor und Orchesterklang bestens — da ging dem Musikfreund wie dem Kenner das Herz
auf.
Francis Poulencs „g-Moll-Konzert für Orgel, Streicher und Pauken" gestalteten de Vries, das Orchester und Martin Hofmann überaus lebendig‚ prall voll Leben und sehr dramatisch — das Publikum lauschte
gebannt den moderat-modernen Klangwelten.
Hector Berlioz, der Komponist fürs Große (er komponierte Musik für 900 Mitwirkende allein im Chor), schrieb einst über sein „Te deum": „Es War kolossal, babylonisch, ninivesk." Da hat er Recht, das
Werk ist tatsächlich so riesig angelegt. In der Kantorei, trotz „nur" 120 Choristen, dem Orchester und dem Organisten fand Berlioz eine adäquate Werkgestaltung. Alles, was Orchester, Chöre und Orgel
zu bieten haben, ist dabei: Bläser, Streicher, Becken, Trommel, Kinder- und Erwachsenenchor, ein Solist und eben die große Orgel.
Pathos und Beteiligung
Mit notwendigem Pathos, mit spürbarer innerer Beteiligung gestalteten alle Beteiligten das knackige Werk und loteten Tiefe und Sanftheit ebenso hervorragend aus wie Machtfülle und Klangkaskaden,
mitreißend und fordernd, rangehend und fast unheimlich intensiv. Und das alles zum Lobe Gottes.
Jeder Besucher wird gespürt und gemerkt haben, welche herrlichen, tränentreibenden, energiegeladenen, leidenschaftlichen und lustvollen Dimensionen sich in (nicht nur) solcher Musik finden - vom Baby
bis zur Bahre, ohne Musik läuft nichts. Wenn allein dies — verdeutlicht durch die ehrenamtlich agierenden Kantoristen, den professionellen Musikern und dem überaus disziplinierten Kinderchor —
deutlich wurde, dann steht einer Aufwertung dieser Kunstgattung nicht mehr im Wege - Zeit wird's.
Hessische / Niedersächsische Allgemeine Zeitung - hna.de 23.11.2011
Sixti-Kantorei und Junges Philharmonisches Orchester begeistern mit Brahms-Requiem
Northeim. Sinndeutung menschlichen Daseins im Angesicht des Todes - „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms wurde am Ewigkeitssonntag von der Kantorei St. Sixti zusammen mit dem Jungen
Philharmonischen Orchester Niedersachsen unter der Leitung von Kreiskantor Benjamin Dippel aufgeführt.
Beeindruckend: Rund 85 Sänger der Sixti-Kantorei und fast 50 Musiker des Jugen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen (JPON) machten das Deutsche Requiem von Johannes Brahms in der Sixti-Kirche
zum Klangerlebnis.
Die Solopartien sangen Sabine Szameit, Sopran, und Roman Tsotsalas, Bariton. Ohne liturgisches Gerüst formte der Protestant Brahms aus Worten der Bibel einen siebensätzigen Zyklus. Nach dem sanft
einleitenden „Selig sind, die da Leid tragen“ führt er durch die Erschütterung über die Vergänglichkeit des Daseins, Angst und Ungewissheit im Blick auf das Ende, Sehnsucht nach einer himmlischen
Heimstatt und trostreiche Worte einer Stimme von jenseits des Todes zu der Erkenntnis: „Denn wir haben hier keine bleibende Statt“. Das Werk endet mit einer Totenfeier: „Selig sind die Toten“. Alle
Sätze sind mehrteilig. Der Trauer werden Trost und Hoffnung entgegengestellt.
Die Aufführung spannte einen großen Bogen vom ersten weichen Einsatz der tiefen Streicher und Hörner bis zum letzten, unter Harfenklängen und Bläserakkorden sanft verklingenden „selig“. Der erste
Satz blieb verhalten. Bereits hier bewies der Chor sicheren, intonationsreinen Umgang mit der schwierigen, an Alterationen und Chromatik reichen romantischen Harmonik. Weich im Klang, aber
unerbittlich im Rhythmus, mit expressiver Dynamik erklang im Orchester der Trauermarsch des zweiten Satzes.
Streng deklamierte der Chor im Unisono „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“, um nach einem Harmoniewechsel bei der Verheißung ewiger Freude strahlenden Klang zu entfalten mit mühelosem Aufsteigen
der hellen Sopranstimmen zum hohen B. Das idyllische „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ war reinster Wohlklang.
Die höchste Spannung erreichten Chor und Orchester im sechsten Satz mit dem triumphierenden „Der Tod ist verschlungen in den Sieg“ und der anschließenden Doppelfuge. Im engagiert musizierenden
Orchester fielen immer wieder die hervorragenden Bläser auf.
Roman Tsotsalas, ein jugendlich heller Bariton mit metallischem Timbre, konnte die Tiefe seiner Partie nicht ausloten. Weder die Verzweiflung des dritten noch die Mystik des sechsten Satzes - „Siehe,
ich sage euch ein Geheimnis“ - fanden adäquaten Ausdruck. Sabine Szameits schöner, klarer Sopran beherrschte den fünften Satz. Weich legt sich nach dem einleitenden Arioso ihr „Ich will euch
wiedersehen“ über die Trostworte des Chores - eine Ahnung von Transzendenz - der ergreifendste Augenblick der Aufführung.
Von Edelgard Winterberg
Niederelbe-Zeitung 6./7.8.2011
Einmal Gipfel und wieder zurück
Großer Klangkörper, großartige Musik: Ein starker Abend mit dem Jungen Philharmonischen Orchester Niedersachsen
von Jens-Christian Mangels
OTTERNDORF. "Ich hab einmal komponieren wollen, wie die Kuh die Milch gibt", so beschrieb Richard Strauss lapidar die Klangwelt seiner Alpensinfonie. Beim Otterndorfer Reithallenkonzert am Mittwoch hätte kein Melkschemel mehr aufs Podium gepasst. 130 Musiker des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen mit ihrem Dirigenten Andreas Schüller bliesen mit Windmaschine, Kuhglocken und Donnerblech zum musikalischen Gipfelsturm - und zogen 530 begeisterte Zuhörer mit auf den Berg.
Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein. Im Falle des Reithallenkonzerts drängen sie sich jedoch förmlich auf: 130 hoch motivierte Musiker, ein kompositorisches Monumentalwerk, eine nahezu unerschöpfliche Palette an Instrumenten und ein mehr als ausverkauftes Haus. "Im kommenden Jahr bauen wir zusätzliche Ränge auf", versprach Otterndorfs Kulturausschussvorsitzender Hans-Volker Feldmann angesichts des riesigen Ansturms von Besuchern. Feldmanns Dank galt insbesondere den Musikern des Jungen Philharmonischen Orchesters Niedersachsen, die mit einer Begeisterung spielten, wie sie in manch etabliertem Orchester bisweilen nicht mehr vorhanden sei. Er sei froh, die engagierten Akteure bereits zum vierten Mal in Otterndorf begrüßen zu können.
Schon die Konzerteinführung mit Dirigent Andreas Schüller zeigte, was in dem Orchester steckt. Mit beeindruckenden Klangbeispielen verdeutlichten die Musiker, dass die Alpensinfonie mit ihren 22 Abschnitten und 60 Themen für Dirigent und Orchester fürwahr eine herkulische Aufgabe darstellt. Schüller sieht zudem in der sinfonischen Dichtung die Mutter aller Filmmusiken: "In Hollywood werden noch heute nach diesem Grundmuster die großen Gefühle unterstrichen."
Bevor die klangprächtige Bergtour begann, bekamen vier junge Orchestermusiker Gelegenheit, ihrem virtuosen Können Klang zu verleihen: Simone Preuin (Oboe), Christine Stemmler (Klarinette), Swantje Vesper (Horn) und Philipp Löschau (Fagott) glänzten bei Mozarts "Sinfonia concertante Es-Dur" als bestens harmonierendes Solisten-Quartett. Und bei "Till Eulenspiegels lustigen Streichen" gab das Orchester einen ersten Einblick in Richard Strauss' famoses Klangfarbenspiel.
Mit der Alpensinfonie erklomm das Junge Philharmonische Orchester nach der Pause dann den Gipfel des Konzertabends: Dirigent Andreas Schüller formte gemeinsam mit dem Ensemble aus den Klangmassen eine gewaltige Bergkulisse. Kontrabässe waberten wie Nebelschwaden über dem Tal, fantastische Blechbläser ragten - schroffen Felswänden gleich - aus dem Musikgebirge. Mit Windmaschine, Donnerblech und reichlich Schlagwerk brachen dann Sturm und Unwetter über die Zuhörer herein - eine pompöse Klangmalerei.
Anhaltender, frenetischer Beifall ertönte am Ende des hinreißenden Konzertabends. Verdienter Applaus für die glänzende Leistung der 130 Musiker.
Mindener Tageblatt - mt-online 9.8.2011
Evangelischer Preis für Mindens Tanz-Requiem
Minden/Hannover (epd/mt). "Community Dance Minden" erhält in diesem Jahr den evangelischen Kulturpreis "Grenzgänger". Im Mindener Projekt "Verdi Requiem: Hommage an das Leben" spiegele sich die langjährige Zusammenarbeit der evangelischen Marien-Gemeinde mit Schulen und dem städtischen Kulturbüro, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gestern in Hannover mit.
Bei dem Requiem haben rund 170 Schüler von elf weiterführenden Schulen gemeinsam mit professionellen Sängern und Musikern eine Choreografie erprobt, aus der ein umfassendes Chor-, Orchester- und Tanzprojekt erwachsen ist.
Die Verleihung des Kulturpreises erfolgt im Rahmen des Kirchen-Kultur-Kongresses der EKD am 17. September in Berlin. Die Laudatio hält der Schriftsteller und Theologe Klaas Huizing. Die Auszeichnung ist mit 2017 Euro dotiert. Die Höhe verweist auf den 500. Jahrestag der Reformation 2017. Der zweite Preis geht an den Kunstdienst der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen, den dritten Preis erhält die St.-Lukas-Gemeinde München. Der Grenzgänger-Preis wird seit 2009 verliehen.
"Leuchtturmkonzept der kulturellen Bildung"
"Wir freuen uns sehr. Vor allem, weil Community Dance ein Leuchtturmkonzept unseres Gesamtkonzeptes kulturelle Bildung ist", sagte Bürgermeister Michael Buhre gestern. Es freue die Stadt besonders, dass diese Anstrengung auch von außen wahrgenommen und honoriert werde. Das Kulturbüro der Stadt organisiert seit 2008 die Mindener Community-Dance-Projekte, die eine Idee des britischen Choreografen Royston Maldooms aufgriffen. Zu den Motoren in Minden gehört das Ratsgymnasium, das seit vielen Jahren den Tanz pflegt.
Im Zuge der Vorbereitungen zu Karl Orffs "Carmina Burana" 2008 bildete sich ein fester Kreis von Lehrern verschiedener Schulen, die sich dem Tanz verschrieben haben. Gemeinsam mit ihnen gelang es dem Choreografen Miguel Angel Zermeno bereits damals, die Schüler verschiedener Schulformen und Altersgruppen so sehr für das Projekt zu begeistern, dass sie einen Teil ihrer Ferien für die Proben opferten und das Ergebnis mit viel Engagement auf die Bühne brachten. Auch "Carmina Burana" war ein Erfolg, der über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung zeigte: Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratergesellschaft PricewaterhouseCoopers AG (PwC) zeichnete das Projekt als Part des Modellprojekts "KulturSchule" mit dem mit 5000 Euro dotierten Zukunftspreis Jugendkultur der gleichnamigen Stiftung aus. Auch 2008 wirkten die Chöre der Mariengemeinde und das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen mit. Förderer ist seit Beginn die Kulturstiftung der Sparkasse Minden-Lübbecke.
2009 folgte mit "Schritt für Schritt" ein etwas kleiner angelegtes Projekt, insofern als auf Orchester- und Chorbegleitung verzichtet wurde. 2010 wurde mit dem "Verdi Requiem" wiederum ein großes Projekt in Angriff genommen, das im September in der Kampa-Halle Premiere feierte und vom Publikum viel Beifall erntete. In diesem Jahr studierten die Schüler das Requiem noch einmal neu ein, angepasst für die kleinere Bühne beim Kirchentag in Dresden. Auch hier ernten die Akteure euphorischen Beifall.
Nach Auskunft des Kulturbüros wird "Community Dance" 2012 fortgesetzt - dann auf der Bühne des Stadttheaters.
Nordwest-Zeitung
Bergwanderung aus lauter Tönen
OLDENBURG, 8. August 2011
Konzert Junges Philharmonisches Orchester Niedersachsen in Oldenburg zu Gast
Andreas Schüller leitet das Elite-Ensemble seit 2008. Bei seinem Debüt in der Weser-Ems-Halle spielte es Werke von Mozart und Richard Strauss.
von Werner Matthes
Oldenburg - Ein „junges, semiprofessionelles Orchester mit hochengagierten Laien, Musikstudenten und Berufsmusikern“ – so lautet das offizielle Profil des Jungen Philharmonischen Orchesters
Niedersachsen (IPON), das seit 22 Jahren besteht, im Gymnasium Westerstede die jährliche Heimstatt für seine Arbeitsphase und seinen Tournee-Auftakt fand und jetzt erstmals in der Oldenburger
Weser-Ems-Halle zu Gast war.
Man darf das Orchester, innerhalb der Gruppe vergleichbarer Klangkörper, als Elite-Orchester bezeichnen – ein Ensemble, das es sich leisten kann, „nach den Sternen“ zu
greifen. Technische und Besetzungs-Probleme sind diesen rund 100 Musikern weitgehend fremd.
Bravourleistung
Höchste Ansprüche werden gestellt und erfüllt. Dafür sorgt schon der jeweilige Dirigent,
seit 2008 der in Leipzig und Wien lebende Andreas Schüller, der alle Tugenden eines glänzend versierten und zielbewussten, inspirierenden und souverän disponierenden Orchesterleiters vereint.
Werke
von Strauss und Mozart standen auf dem Programm, im Falle des unverwüstlichen „Till Eulenspiegel“ ein Stück, das immer besser zu werden scheint, je öfter man es hört, und sicher das Beste, was
Strauss jenseits der Opernbühne geleistet hat.
Schüller ließ dem Werk, das selbst an ein Spitzenorchester noch erhebliche Anforderungen stellt, eine so temperamentvolle, dramatische und witzig
pointierte Darstellung angedeihen, dass einige leicht verwischte Details, eine letzte fehlende Eleganz und Biegsamkeit gegenüber dem glänzenden und entwaffnend lebendigen Gesamteindruck kaum ins
Gewicht fielen.
Strukturprobleme, die bei Strauss mit der fast übergroßen IPON-Orchesterbesetzung zu tun haben mochten, gab es bei Mozarts geistvoller, französisch inspirierter, klassisch besetzter
„Sinfonia concertante“ Es-Dur KV 297 b indessen nicht: eine Bravourleistung des Orchesters, vor allem ein Paradestück der vier ausgezeichnet, charakter- und hingebungsvoll spielenden Solisten (Simone
Preuin, Oboe; Christine Stemmler, Klarinette; Swantje Vesper, Horn; Philipp Löschau, Fagott).
Grandioser Elan
Strauss’ Tondichtung „Eine Alpensinfonie“ op. 64, eine idealistische Bergwanderung, bei
der ein Sonnenaufgang die Welt in gleißendes Licht taucht, Gewitterstürme und Herdengeläute naturalistische Bilder erzeugen, Idylle und Todesangst eines Wanderers (und Getriebenen), visionäre
Entrückung und Erdennähe dicht beieinander liegen, setzte den Schlusspunkt.
Schüller und das Orchester gaben dieser gewaltigen Partitur, diesem Kosmos aus Emotionen, Stimmungen, Bildern die angemessenen, kaleidoskopisch wechselnden Farben, entfesselten naturalistisch-reale,
„bedeutungsvolle“ Geräusche, setzten inmitten von komponiertem Chaos und Turbulenzen auf klare, die Wirkung des Ganzen befördernde Themenstruktur.
Packend der grandiose Elan, mit dem der Erzählstrom des Werkes erfüllt wurde; überzeugend die Fähigkeit von Dirigent und Orchester, musikalische Übergänge wunderbar spannungsreich zu entfalten. –
Ovationen eines bewundernden, staunenden Publikums. -
Nordwest-Zeitung
Eine Tondichtung als Mutter aller Filmmusiken
WESTERSTEDE, 4.8.2011
Konzert - Junges Philharmonisches Orchester Niedersachsen am Freitag in Oldenburgs Weser-Ems-Halle
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Westerstede - Natürlich ist das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen nicht das Berliner Philharmonische Orchester. Dafür sitzen unter anderem zu viele junge
Leute an den Pulten. Aber wenn das Orchester an diesem Freitag um 20 Uhr in der Oldenburger Weser-Ems-Halle auftritt, reicht es in der Musikermenge glatt an das Renommier-Orchester heran. Über 100
Musiker verlangt Richard Strauss für seine „Alpensinfonie” auf und hinter der Bühne.
Knapp zwei Wochen hat das seit 22 Jahren bestehende „JPON” im traditionellen „Trainingslager” in Westerstede am Monumentalwerk gearbeitet. „Das wurde in der Aula des Gymnasiums dynamisch
grenzwertig”, räumt Dirigent Andreas Schüller nach oft neun Stunden Proben ein. Auch musikalisch mag die aufgebauschte Partitur mit ihren Kuhglocken und Lärmorgien umstritten sein.
Doch der musikalische Leiter, sonst zwischen Leipzig, Wien und Salzburg im Einsatz, hat den Enthusiasmus seiner 110 Schützlinge für die Tondichtung von zwei Seiten her entfacht. Er sieht das Opus zum
einen als die Mutter aller Filmmusiken: „In Hollywood werden noch heute nach diesem Grundmuster die großen Gefühle musikalisch unterstrichen.“
Zum anderen nimmt er der Hochgebirgstour des Alpinisten Strauss ihren unverbindlichen Charakter. „Der Antichrist Strauss hat sich mit Nietzsches Gedanken befasst”, sagt Schüller. „Und sie fließen in
den meditativen Schlussteil ein.“ So solle sich am Ende der Zuhörer fragen: „Denkt der Wanderer nur über einen schönen Tag nach - oder blickt er auf einen ganzen Lebensweg zurück?”
Die meisten Musiker im halbprofessionellen „JPON“ sind Landes- und Bundessieger im Wettbewerb “Jugend musiziert“. [...]
